Hardware der Noosphäre
TU und GOR diskutieren heute das Internet als Vorbote des Omega-Punkts in Teilhard de Chardins spitirueller Evolutionstheorie.
LINK: A Globe, Clothing Itself with a Brain (Jennifer Cobb Kreisberg, in Wired, Juni 1995)
GOR: Das Internet ist demnach quasi die Hardware der Noospähre.
TU: Vielleicht führt es weiter, das Netz als etwas anderes zu betrachten: als einen Ort, an dem wir alle, die wir in unseren Netzwerken drinstecken, lebendig begraben sind - aus diesem virtuellen Grab kommt letztlich keiner wieder raus; so daß man, unser Gespräch über Zizek/Pauslus fortführend, sagen könnte, daß das WWW eine Art heidnischer Mythos ist, der implizit, gegen das Christentum gerichtet, sagt, daß es keine Auferstehung gibt, und zwar deshalb, weil im digitalen Grab keiner verwest/stirbt - das Netz also als kostengünstiges Kollektivgrab.
GOR: Von de Chardin aus gesehen wäre das Internet ja eher so eine Art Vorbote der Auferstehung Jesu Christi. Ich denke als Paläontologe hat er sich mit Fragen Darwins und der Evolution beschäftigt und hat daher als Jesuitenpfarrer eine Gegenthese zu Darwin präsentieren wollen - also eine antidarwinistische Evolutionstheorie mit globalen Bewusstsein als Endpunkt der Evolution. Mit anderen Worten: das www ist eigentlich dermaßen komplex (also vernetzt), dass es eher de Chardins Evolutionskonzept entspricht, als Darwins. Erhöhte Komplexität = erhöhtes Bewusstsein.
LINK: Teilhard de Chardins Evolutionstheorie als graphische Darstellung
TU: Ja, da hast Du recht - mit Darwin ist das Netz nicht zu erklären, auch weil Darwin vom Nacheinander, nicht vom Nebeneinander her denkt. Aus einer religiösen Sicht ist dies natürlich eine Entwicklung auf etwas hin, das, seit Schöpfungsbeginn, immer schon da war, so wie Jesus in der Apokalypse sagt: “Ich bin das Alpha und das Omega” - alles also, was über das Alphabet hinausgeht, gehört nicht mehr zu diesem “Ich”.
GOR: Ja stimmt, dieser Jesus Spruch ist wahrscheinlich der Kontext dieser Evolutionstheorie. Hat er noch eine tiefere Bedeutung? Ich meine im Bezug auf de Chardin? Irgendwie scheint mir die Noosphäre nichts mit Logos zu tun zu haben, worauf ja Alpha und Omega anspielen ….
TU: Ich denke schon, daß die Noosphäre eine Fortführung, eine Art Virtualisierung des christlichen Logos ist (nach dem Johannesevangelium ist ja Logos=Christus).
For Teilhard, Omega Point is the Logos, or Jesus Christ: who is “God from God”, “Light from Light”, “True God from true God” and it is “through him all things were made.” (Wikipedia)
GOR: Ich denke, dass Chardin eine Art Synthese von körperlicher (materieller) und geistiger (spiritueller) Evolution im Sinn hatte. Für unsere Diskussion würde das bedeuten, dass der Omega-Punkt quasi im Logos aufgeht, der Logos aber nicht im Sinne vollkommener perfekter Rationalität, sondern im Sinne von Jesus, als spirituellen Logos, oder? Aber was ist das? Den Begriff Logos assoziiere ich nun wirklich nicht mit Jesus (als Nicht-Theologe, der ich nunmal bin…)
TU: Ich glaube allerdings, daß wir beim Begriff “Logos” unterscheiden sollten - es gibt a. den heidnischen Logos, der, wie Du sagst, Richtung Abstraktion lenkt, und dann aber noch, b., den christlichen L., der das Gegenteil davon ist, weil er den Logos(=Christus) ja materialisiert hat, indem er Mensch geworden, also nicht abstrakt geblieben ist.
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- Published:
- 7.22.08 / 8Uhr vormittags
- Category:
- Das Imaginäre
- Tags:
- Darwin, Evolution, Jesus Cristus, Logos, Noosphäre, Sateliten, Teilhard de Chardin
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