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Mars macht mobil

In Das Symbolische on Juni 16, 2008 at 5:08

TU und GOR bleiben bei Sloterdijk und diskutieren moderne Sport-Arenen zwischen Antike und Raumfahrt.

TU: Spielen mit dem, was mit uns spielt (Neue Züricher Zeitung, 14.06.2008)

GOR: Ist diese Sloterdijksche Gegenüberstellung (Stadion vs. Arena oder Venus vs. Mars) nicht ein bisschen zu simpel? Hier Schönheitsverehrung dort Gewaltverherrlichung? Pädagogik vs. Hedonismus? Und bedrohlich soll es sein, wenn die moderne Kultur zunehmend römisch statt griechisch wird? Ich finde Schönheitskulte (á la Riefenstahl etwa) genauso bedrohlich wie eine zunehmende Mars-Fixierung. Vielleicht sollte man eher von einer Verschiebung reden. Denn die U-Form des griechischen Stadions ist jetzt zu den Casting-Shows geworden, wo die Jury den Tempel darstellt…

TU: Ja, es klang mir beim Lesen auch etwas zu schematisch – ich glaube, es geht bei dem Thema eher um die unterschiedliche Funktion von Lust und Schmerz: in der Arena geht es darum, Blut fließen zu sehen, im Stadion darum, die Leiber im erotischen Ringen miteinander zu erleben. Ein bisschen erinnert mich diese Gedankenfigur an die Diskussion über den Unterschied zwischen Internet und Printmedien: Druckerschwärze=Blut, Online=Erotik…

GOR: Wobei man sagen muss, dass das ne gute Beobachtung ist: Stadien (griech.) vs. Arenen (röm.). Das hat was. Ich würde auch zustimmen, dass das antike Rom Vorbild für die heutige Gesellschaft ist, eher als die antike Polis. Die Amerikaner planen auch bemannte Raumfahrten zum Mars. Aber nicht nur die. Auch die Chinesen und Europäer. Eine Art Wettlauf zum Kriegsgott ist das. Darin sehe ich was Symbolisches. Bei den Römern war Mars ja fast noch bedeutender als Jupiter. Zumindest hatte diese Kultur eine recht starke Mars-Kodierung.

TU: Dazu passt ja auch der bekannte Slogan: MARS MACHT MOBIL (=Raumfahrt). Wenn Du Dir die Allianz-Arena genau anschaust, gerade auch dann, wenn sie leuchtet, dann sieht die doch aus wie ein Raumschiff! Es gibt ja bereits im frühen Christentum, bei Tertullian vor allem, eine starke Polemik gegen die bluttriefenden Darbietungen in den Arenen der Römer – interessant wäre, zu fragen, gegen was sich diese Widerrede eigentlich richtete: ich vermute, dass es vor allem auch darum ging, DIE Arena schlechthin, Golgatha, wo Gott seinen Sohn geopfert hat, als zentralen Kampfschauplatz zu verteidigen.

GOR: Tertullian fand wahrscheinlich alles mies was mit römischen Göttern und Kulten zu tun hatte. DIE Arena schlechthin ist jedoch das Kolosseum. Die Allianz-Arena ist quasi das Kolosseum als Raumschiff, das bald zum Mars abhebt. Übrigens haben die Schweizer Architekten der Allianz Arena auch das Pekinger Olympiastadion entworfen.

TU: Interessant, im Zusammenhang mit der Allianz-Arena, ist auch, daß diesem Kolosseum mit Franz Beckenbauer ein so genannter “Kaiser” (=Caesar) vorsteht, der über das Schicksal seiner Spieler=Gladiatoren den Daumen senkt oder hebt…

  1. [...] der Schiri gemerkt und sie auf die Tribüne geschickt, wo, s. unsere Arena-Diskussion (Siehe: „Mars macht mobil“), normalerweise der Caesar (=Merkel) sitzt, das heißt: gerade dadurch, dass der Schiri sie beiden [...]

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